Predigten
Monatsspruch für November
Gott spricht: Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken.
Hesekiel 34, 16
Der Prophet Hesekiel (auch Ezechiel) lebte im 6. Jahrhundert vor Christus. Zu seinen Lebzeiten befand sich das Volk Israel in Babylonien im Exil. Ihre Heimat war erobert und verwüstet worden, und sie selbst lebten im fremden Land weit weg von zu Hause. Die Menschen quälten nicht nur die Sehnsucht nach dem eigenen Land, sondern auch Fragen wie: Hat Gott sich von uns abgewandt? Und: Der Tempel in Jerusalem ist zerstört – heißt das, dass auch Gott nicht mehr für uns da ist?
Der Prophet soll das Volk trösten und ihm voraussagen, dass das Exil ein Ende hat und sie wieder zurückkehren können nach Israel. Die Verletzungen und Ängste der Menschen will Gott wieder heilen und den Schwachen und Mutlosen Zukunft und Kraft schenken.
Weiter heißt es im gleichen Vers: „Ich will mein Volk weiden, wie es recht ist“.
Da kommt das Bild vom Guten Hirten zum Tragen: Gott wird mit einem Hirten verglichen, der sich liebevoll und fürsorglich um die Menschen kümmert – so wie ein guter Hirte für seine Herde sorgt: „Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Auch der Psalm weiß um schwere Zeiten: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal…fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich (Psalm 23).
Wenn etwas den Menschen wieder Hoffnung gibt, dann das, dass Gott sich nicht abgewandt hat und dass er weiter für seine Menschen sorgt.
So verheißt auch der Prophet Hesekiel: „Und sie sollen erfahren, dass ich, der HERR, ihr Gott bei ihnen bin und dass die vom Hause Israel mein Volk sind, spricht Gott der HERR. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.
Gott kehrt auch uns heute nicht den Rücken, er ist da, auch wenn es gerade nicht danach aussieht. Wir können Ihm vertrauen, dass Er unsere Sorgen und Nöte sieht und versteht – und dass Er uns hilft. So steht es auch in Psalm 115: „Der HERR denkt an uns und segnet uns.“
Einen gesegneten November wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin
Gabriele Mayer
Monatsspruch für Oktober
Jesus Christus spricht: Das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Wir leben in unsicheren Zeiten. Noch vor fünf Jahren hätte niemand gedacht, dass Krieg und Zerstörung uns noch einmal so nahe kommen könnten. Inzwischen ist das traurige Realität geworden. Beinahe haben wir uns schon daran gewöhnt, und doch erschrickt man immer wieder davor, was Menschen Menschen antun können.
Und da sollen wir von Gottes Reich sprechen?
Ein Reich, in dem Frieden und Einigkeit herrschen, Freiheit, Freude und Wohlergehen? Ist das nicht nur ein Traum, ein Hirngespinst?
Das Reich Gottes mitten unter uns – bei und in uns. Das ist die Hoffnung, die uns trägt: das das, was wir täglich sehen und erleben, nicht alles ist, dass Frieden möglich ist. Gott schenkt uns seinen Segen für jeden Tag, er hat uns nicht vergessen oder gar die Menschheit aufgegeben. Immer da, wo Frieden wird nach Streit, wo Hass sich in Verständnis wandelt und wo kranke Zustände wieder heil werden, überall da ist Gottes Reich. Und es ist jetzt schon da! Mitten in der unruhigen, friedlosen Welt, mitten in Angst und Verzweiflung gibt es Hoffnung: ein kleines zartes Pflänzchen, das gehegt und gepflegt werden will. Es will und soll gedeihen und groß und stark werden, dem Menschen zu Nutzen und Gott zur Ehre. Denn Gott ist ein Gott der Liebe und des Friedens. Er kann in uns Dinge bewirken, die höher sind als alles, was wir denken und erwarten. Diese Hoffnung lässt uns handeln: Handeln für eine bessere Welt, in der Menschen ein Zuhause finden können.
Monatsspruch August 2025
Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier
und bin sein Zeuge.
Apg 26, 22
Diesen Satz spricht Paulus am Ende einer längeren Rede. Paulus steht vor Gericht. Als Unruhestifter war er angeklagt wurde, als Anführer einer jüdischen Sekte, den „Nazarenern“. Er muss Rechenschaft ablegen: hat er etwas Unrechtes getan und die Todesstrafe verdient, oder muss man ihn als Unschuldigen freisprechen? Er war gefangengenommen worden, jetzt steht er vor König Agrippa, und der erlaubt ihm, sich selbst zu verteidigen. Paulus berichtet von seinem Leben: wie er als Pharisäer zuerst die Christen verfolgt hatte und wie ihm dann bei Damaskus Jesus Christus erschien (Apg 9). Von da an war er als Prediger des Evangeliums umhergereist und hatte einige christliche Gemeinden gegründet. Und es hatte deswegen tatsächlich Unruhe gegeben. Etwa in Ephesus: dort hatte ein Kunsthändler einen Aufstand angezettelt, weil sein Geschäft Einbußen zu verzeichnen hatte (Apg 19). Doch hatte nicht Paulus hatte den Aufruhr verursacht, sondern der Kunsthändler.
Paulus verteidigt sich überzeugend, und König Agrippa hört aufmerksam zu. Und er sagt zu Paulus: Es fehlt nicht viel, und du hättest mich überredet, Christ zu werden. Sein Urteil lautet: „Dieser Mensch hat nichts getan, was Tod oder Gefängnis verdient hätte“.
Paulus ist freigesprochen und doch nicht frei. Er hatte sich als römischer Bürger auf sein recht berufen, vom Kaiser selbst gerichtet zu werden. So reist Paulus nach Rom (Apg 28). In Rom jedoch muss er nicht als Gefangener leben. Er steht unter Beobachtung, doch er lebt im eigenen Haus und predigt weiter das Evangelium. Das war sein Wunsch gewesen: von Jesus Christus zu erzählen bis an die Grenzen der ihm bekannten Welt.
Paulus hat nach seiner Bekehrung sein ganzes Leben in den Dienst Jesu gestellt. Er hat dafür einiges in Kauf genommen: er war geschlagen worden (eine damals durchaus übliche Strafe), und er war mehrfach inhaftiert worden. Nichts hat ihn von seinem Glauben abgebracht.
Auch heute noch werden Christen wegen ihres Glaubens verfolgt. Oder sie stehen unter Beobachtung, wie Paulus. Ich habe bei einem Kongress ein Ehepaar aus Ostdeutschland kennen gelernt. Sie hatten Bibeln in Länder der ehemaligen Sowjetunion geschickt – geschmuggelt sozusagen. Nach dem Fall der DDR konnten sie ihre Stasi-Akte einsehen. Sie war mehrere tausend Seiten dick. Sie hatten gewusst, dass man ihr Handeln nicht billigte – aber dass die Staatssicherheit so genau über sie Bescheid wusste, das doch nicht. Im Nachhinein kam doch noch ein Erschrecken.
Wir können für verfolgte Christen nicht viel tun, außer für sie zu beten. Doch wir können genau wie Paulus unseren Glauben leben und uns öffentlich dazu bekennen. Ich wünsche uns die Unerschrockenheit des Paulus und die Gewissheit, dass Gott uns nie verlässt.
Einen gesegneten August
Wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Gabriele Mayer.
Ansprechpartner/in:
Pfarrerin Dr. Gabriele Mayer
gabriele.mayer@kbz.ekiba.de
Privat: 07725/6713926
Mobil: 0173/3627855


